Motivation
Bei der Durchführung landwirtschaftlicher Arbeiten müssen gewisse Regeln beachtet werden, beispielsweise zum Einsatz von chemischen Mitteln zur Unkrautbekämpfung. Ob ein Landwirt einen Traktor steuert, ein Berater eine optimierte Karte zum Ausbringen von Düngemitteln berechnet oder ein zukünftiger Agrarroboter ökonomisch und ökologisch nachhaltig autonom agieren soll – sie alle müssen sich an solche Regeln halten, die auch im Einklang mit der aktuellen Gesetzgebung in vielen europäischen Ländern und Regionen stehen. Diese Regeln in einem Entscheidungshilfesystem oder einer autonomen Robotersteuerung nachweisbar umzusetzen, die es z. B. ermöglichen, anhand von Sensordaten effektiv zwischen schädlichen und schützenswerten Unkräutern zu unterscheiden, übersteigt den heutigen Stand der Technik. Die große Herausforderung ist dabei die logische Interpretation von vielfältigen Sensordaten, die es ermöglicht, in Echtzeit über die Welt, wie sie ist, zu urteilen.
Ziele und Vorgehen
Das deutsch-französische Vorhaben R4Agri zielt darauf ab, diese Herausforderung im Bereich der Landwirtschaft anzugehen. Hierfür sollen zunächst mittels eines KI-basierten Interpretationsprozesses Fakten aus landwirtschaftlichen Sensordaten ermittelt werden, die in ihrer Art (variirende Sensortypen), Qualität (Auprägung der Störsignale) und Auflösung (zeitlich/räumlich) meist sehr unterschiedlich sind. Auf dieser Grundlage soll es dann möglich sein, anhand einer zu entwickelnden, regelbasierten Sprache Schlussfolgerungen aus dem gesammelten Wissen abzuleiten (z. B. schädliches Unkraut: ja oder nein).
Innovationen und Perspektiven
Einerseits liefert das Projekt R4Agri durch neue Methoden, Algorithmen und Architekturen einen wichtigen Beitrag zur KI-Forschung hinsichtlich nachvollziehbarer Schlussfolgerungen zur Entscheidungsfindung, anderseits demonstriert es deren Anwendung in einem Bereich von weltweiter gesellschaftlicher und ökologischer Bedeutung, der Landwirtschaft. Gerade in diesem Bereich braucht Europa Innovationen, nicht nur für die Erneuerung seiner landwirtschaftlichen Verfahren, sondern auch, um die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.