Motivation
Die Kunst der Rhetorik ist seit der griechischen Antike bereits bekannt und spielte in dieser Zeit, insbesondere in den meinungsbildenden Prozessen, eine wesentliche Rolle. Die Fähigkeit, überzeugende Argumente zu bilden, ist nicht nur die Grundlage, um ein Publikum von neuen Ideen zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen, sie spielt auch eine wichtige Rolle bei der strategischen Entscheidungsfindung. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sollen im vorliegenden Vorhaben computergestützte Modelle von rhetorischen Figuren und rhetorischen Beziehungen erstellt werden. Diese sollen zur Verbesserung des Argumentation Minings (AM) in den sozialen Medien und in der Rechtswissenschaft eingesetzt werden, um KI zur Bekämpfung von beleidigender und angreifender Sprache im Internet einzusetzen. Um die Entstehung der Überzeugungskraft der Argumente automatisch zu erkennen, wird computergestützte Rhetorik zur Verarbeitung natürlicher Sprache herangezogen.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Projekts CAROLL ist die Erforschung und Entwicklung von Deep Learning Ansätzen in Kombination mit Ansätzen der formalen Semantik, um einerseits rhetorische Sprachmuster in der natürlichen Sprachverarbeitung zu berücksichtigen und andererseits die Verwendung von Rhetorik vor allem in der medialen Welt besser zu verstehen. Dazu werden im Vorhaben AM-Modelle verwendet und weiterentwickelt. Argumentation Mining ist ein Teilbereich der Natural Language Processing (NLP) Technologie, der sich auf die Extraktion und Analyse von Argumenten aus Textkorpora sowie auf die Verfolgung und Analyse von Argumentationslinien konzentriert. Ein besseres Sprachverständnis in AM sowie andere komplexe Aufgaben im NLP können nur bewältigt werden, wenn Modelle rhetorische Figuren einbeziehen. Im Projekt sollen KI-basierte Methoden an zwei Anwendungsfällen, Kommunikationswissenschaft und Rechtswissenschaft, entwickelt und erprobt werden.
Innovationen und Perspektiven
Gemäß der Förderrichtlinie wird das Projekt „CAROLL“ von einer Forschungsgruppe bearbeitet, die überwiegend aus Wissenschaftlerinnen besteht. Die Leiterin der Forschungsgruppe ist seit Oktober 2016 an der Fakultät für Informatik und Mathematik der Universität Passau tätig. Ihre KI-Expertisen liegen in der regelbasierten NLP sowie in dem linguistischen und kognitiv motivierten computergestützten Ansatz zur Sprachverarbeitung.