Motivation
In Freitextaufgaben werden in selbstverfassten Zeilen Sachverhalte dargestellt, um erworbenes Wissen in einen anderen Kontext zu transferieren. Freitextaufgaben können daher nicht automatisch verarbeitet werden, sondern müssen einzeln begutachtet werden – eine anstrengende und zeitintensive Tätigkeit. In der außerschulischen Bildung, etwa für weiterführende Berufsbildungen der Handwerkskammern oder Innungen, erfolgt die anschließende Korrektur meist durch ehrenamtliche Mitarbeitende. Jährlich korrigieren etwa 150.000 Menschen ehrenamtlich rund 750.000 Ausbildungsprüfungen.
Ziele und Vorgehen
KI-EXAM soll eine Möglichkeit schaffen, Künstliche Intelligenz zur Unterstützung bei der Korrektur von Freitextaufgaben zu nutzen. Die angestrebte Lösung baut auf modernen Sprachmodellen auf und umfasst drei Komponenten: Eingereichte Lösungen sollen inhaltlich gruppiert, Ähnlichkeiten zwischen Musterlösung und eingereichter Lösung aufgezeigt und die von der KI ermittelten Ergebnisse visualisiert werden, damit Korrigierende sie effizient weiterverarbeiten können. Die automatische Korrektur und Bepunktung durch die KI ist nicht vorgesehen; die Verantwortung für die Punktevergabe bleibt weiterhin bei den Korrigierenden.
Innovationen und Perspektiven
Die entwickelten Komponenten bereiten eingereichte Lösungen visuell für die Korrektur auf. Im Fokus steht dabei eine inhaltliche Aufbereitung, die nicht nur auf der Wortwahl, sondern vor allem auf der semantischen Ausgestaltung basiert. Korrigierende erhalten so eine Vogelperspektive auf die zu bepunktenden Aufgaben und können ihre Arbeit besser und effizienter strukturieren. Zukünftig können durch diese Technologie auch Auszubildende und Studierende bei der Prüfungsvorbereitung unterstützt werden, indem sie Testaufgaben erhalten, die sie automatisch von der KI auf die angestrebte Detailtiefe – beispielsweise anhand der Musterlösung – überprüfen lassen können.