Motivation
Die Bauwirtschaft ist eine Schlüsselbranche in Deutschland. Über 70 % der Bauleistungen beziehen sich auf den Gebäudebestand, und die Tendenz ist steigend. Die meisten Restaurierungsarbeiten werden bisher noch manuell bzw. mit großem Aufwand durchgeführt, da jedes Gebäude individuell beschädigt ist. Im Bereich der Denkmalpflege sind in der Regel keine oder kaum Daten vorhanden. Dies führt vor dem Hintergrund des zunehmenden Handwerkermangels zu langen Restaurierungszeiten und hohen Kosten. Im Ergebnis verfallen einige Gebäude, werden unwiederbringlich geschädigt oder zerstört. Demgegenüber werden im Building Information Modelling (BIM) alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, erfasst und in virtuellen 3D-Modellen kombiniert, um die komplette Planung schneller und flexibler zu gestalten. Aufgrund fehlender Schnittstellen zwischen den beteiligten Gewerken wird BIM bisher im Bereich der Sanierung und Restaurierung von denkmalgeschützten Bestandsgebäuden kaum verwendet.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Projekts ist es, eine neue BIM-Plattform zu entwickeln, die die komplette Wertschöpfungskette der Restaurierung von Bestandsgebäuden mit besonderem Fokus auf die Denkmalpflege abdeckt. Die Plattform soll dabei kein Archiv, sondern erstmals eine dynamische Datenbank inklusive interaktivem Designtool sein. Die Idee ist, automatisierte Schnittstellen zwischen der neuen BIM-Plattform und den Softwaretools der an der Wertschöpfung Beteiligten zu entwickeln, sodass Daten über die Plattform ausgetauscht werden können. Zudem sollen sowohl die Erfassung der Bauwerke als auch die Rekonstruktions- und Modernisierungsmaßnahmen sowie Fertigungsplanungen vollständig digitalisiert und in der Plattform abgebildet werden. Dazu werden neue Erfassungsstrategien für verschiedene Anwendungsfälle entwickelt, die die Art und Weise der Vermessung (zum Beispiel die Kombination verschiedener Sensoren) sowie die zu dokumentierenden Informationen (Farbgebung, Materialität etc.) und Detaillierungen definieren. Durch neue eigens entwickelte Tools sollen Restaurierung und Fertigung möglichst automatisiert geplant werden können.
Innovationen und Perspektiven
Die Projektpartner planen, die neue Plattform gemeinsam mit ihren individuellen Dienstleistungen (Vermessung, Planung, Fertigung und Montage) am Markt anzubieten. Zunächst sollen die entwickelten Tools vor allem im Bereich der Denkmalpflege angewendet werden, später auch beim Bestandsbau. Durch konkrete Anwendungsfälle soll der Automatisierungsgrad fortlaufend erhöht werden.