Motivation
Vorangetrieben durch die Digitalisierung erfolgt die Verwertung musikalischer Werke zunehmend globaler, woraus sich ein großes wirtschaftliches Potenzial ergibt. Dies gilt nicht nur für aufführende Künstler, sondern auch für Urheber und die sie vertretenden Musikverlage, welche Tantiemen für die Aufführung, Sendung und Vervielfältigung von Kompositionen einsammeln. Die Chancen der Digitalisierung liegen somit in der effektiven und effizienten Nutzung der zahlreichen Verwertungsoptionen sowie einem größeren Markt. Deutsche Musikverlage erwirtschaften internationale Erlöse primär über den von ausländischen Verwertungsgesellschaften eingesammelten und an die GEMA weitergeleiteten Tantiemen sowie den von ausländischen Subverlagspartnern eingesammelten und direkt weitergeleiteten Tantiemen. Dabei entstehen Verzögerungen zwischen einem und vier Jahren, Streu- und Einnahmeverluste aufgrund mangelhafter und unvollständiger Datensätze, Reibungsverluste administrativer Natur sowie direkte Kosten für Mittlerfunktionen. Um kleinere und mittlere Unternehmen in dieser Branche für die Zukunft zu wappnen und Transparenz in einem notorisch intransparenten sowie gleichzeitig schnelllebigen Markt zu schaffen, sind neue IT-Infrastrukturen notwendig.
Ziele und Vorgehen
Das Projekt SO/CLEAR hat zum Ziel, deutschen Urhebern und unabhängigen Musikverlagen den direkten und reibungslosen Zugang zu internationalen Verwertungsgesellschaften (VG) und Lizenznehmern zu erschließen. Dafür soll eine Softwarelösung für die rechtssichere und aufwandsarme Interaktion zwischen den genannten Akteuren entwickelt werden. Dazu sollen die Spezifika der Gesellschaften hinsichtlich Datenformaten, Prozessen oder Schnittstellen abstrahiert, ein einheitlicher Zugang geschaffen und die komplexen Abläufe in hohem Maße automatisiert werden.
Innovationen und Perspektiven
Die Herausforderungen bestehen darin, dass die Prozesse dynamisch konfiguriert, unterschiedlichste Schnittstellen integriert und unterschiedliche Datenformate generalisiert werden müssen. Dabei müssen die jeweiligen Lösungen miteinander kombiniert werden können. Das System muss so aufgebaut werden, dass es auf zukünftige Veränderungen im Workflow der Musikbranche flexibel und schnell reagieren kann. Bei den Prozessen wird zunächst, abgeleitet von den verschiedenen VG-spezifischen Prozessen, ein möglichst generalisierter Ablauf der Anmeldung und Nutzung von Werkrechten mittels einer gängigen Modellierungssprache erstellt, in dem anschließend die einzelnen Aktivitäten für die jeweilige Verwertungsgesellschaft spezifiziert und umgesetzt werden. Weiterhin soll untersucht werden, wie mit Hilfe von Ausführungsumgebungen für Prozessmodelle eine automatisierte Integration dieser Umsetzungen möglich ist.