Motivation
Video- und TV-Technologien haben sich in den vergangenen Jahren drastisch weiter entwickelt. 3D, 4K, HDR, sowie HbbTV sind die prominentesten Beispiele und haben den Weg bereits in den Massenmarkt gefunden. Diese Entwicklung setzt sich aktuell durch die Einführung von 360°-Video konsequent fort. Die anfallenden Datenmengen von interaktiven, sehr hochaufgelösten 360°-Videos übersteigen die von derzeitigen Videoformaten um ein Vielfaches. Keine aktuelle Videoinfrastruktur, vor allem kein klassisches Fernsehen, ist für diese Datenmengen ausgelegt. Zudem erfordert jede Blickwinkeländerung eine bis dato nur mit hohem Rechenaufwand mögliche Anpassung der Audio- & Videowiedergabe, um einen realistischen Eindruck zu ermöglichen. Bisherige Lösungen setzen daher auf stark reduzierte Bildqualität und konventionelle Audiolösungen, die größtenteils überhaupt keine Anpassung des Tons an den Blickwinkel vornehmen. Skalierbare Cloud-basierte Ansätze sind notwendig, um serverseitig den Audio- und Videostrom zu berechnen und angepasst an das jeweilige Endgerät und den sichtbaren Bildausschnitt zu übertragen.
Ziele und Vorgehen
Im Projekt SAVIDO wird eine Cloud-basierte 360°-Video Lösung entwickelt, die aus den Teilkomponenten 360°-Video- und Audio-Engine, 360°-Regie- und Annotationstool, interaktivem 360°-Player und 360°-Cloud-Playout besteht. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Software-defined Video-Lösung, ein Ansatz zur Implementierung von flexiblen, effizienten und einfach skalierbaren Systemen zur Verarbeitung von Videoinhalten. Der Ton wird für das Ausspielen mittels objektbasiertem Rendering für unterschiedliche Endgeräte und Wiedergabeformate berechnet. Dementsprechend kann bei einem 360°-Video durch die Steuerung im Player der Blickwinkel dynamisch verändert sowie automatisch das möglichst passende Ausspielformart in Abhängigkeit vom Endgerät, den Netzbedingungen und verfügbaren Ressourcen generiert werden. Die Lösung verhindert, dass Streams mit sehr hoher Datenrate übertragen oder auf dem Endgerät durch spezielle Renderer im Player verarbeitet werden müssen. Damit können dafür auch die heutigen Endgeräte genutzt sowie eine größere Zielgruppe und breitere Akzeptanz beim Zuschauer erreicht werden. Medienunternehmen, wie die assoziierten Projektpartner ZDF und BR, werden in die Lage versetzt, ihre Zuschauer mit interaktiven audiovisuellen 360°-Inhalten im Wohnzimmer zu erreichen.
Innovationen und Perspektiven
Das Institut für Rundfunktechnik verfügt als zentrales Forschungs- und Entwicklungsinstitut von ARD, ZDF, Deutschlandradio, ORF und SRG/SSR über einen exzellenten Marktzugang. Fraunhofer FOKUS und BitTubes unterhalten zudem laufende Geschäftsbeziehungen, z.B. mit ProSiebenSat1, Maxdome und RTL. Da es trotz des kontinuierlichen Anstiegs von 360°-Video-Projekten noch keine effiziente Möglichkeit für Medienunternehmen gibt, mit derartigen Inhalten die breite Masse zu erreichen, wird eine große Nachfrage nach der im Projekt angestrebten Lösung erwartet.