Motivation
Digitale Plattformen sind im letzten Jahrzehnt zu wichtigen Instrumenten der gemeinsamen Entwicklung von Ideen und zu Orten des politischen Meinungsaustauschs geworden. Neben dem direkten Austausch zwischen Nutzerinnen auf sozialen Medien tragen digitale Kommunikationsplattformen maßgeblich zur politischen Meinungsbildung bei. Verwaltungen und politische Institutionen nutzen sie unter anderem für Bürgerbeteiligungsverfahren. Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Verbände und Medienunternehmen setzen Online-Plattformen ein, um politischen Diskurs zu ermöglichen. Dabei zeigen sich in der Praxis jedoch Probleme, die der weiteren Verbreitung und Implementierung solcher Diskussionsformate für die politische Beteiligung im Wege stehen und die Marktchancen von Online-Plattformen in diesem Bereich beeinträchtigen: Die Moderation der Online-Diskussionen ist zum einen sehr aufwändig. Zum anderen werden potenzielle Teilnehmerinnen durch mangelnde Diskussionsqualität abgeschreckt (u.a. Inzivilität, Hassrede und Cybermobbing). Nicht zuletzt erschwert der Aufwand, den die Initiatorinnen und Initiatoren für eine Auswertung der Beiträge betreiben müssen, die Verwertung der Ergebnisse von Online-Diskussionen.
Ziele und Vorgehen
Im Projekt KOSMO wird ein Assistenzsystem entwickelt, das Moderatorinnen sowie Organisatorinnen bei der Sicherstellung der Diskussionsqualität und der Zusammenfassung der Inhalte von Online-Diskussionen unterstützt. Das System soll dazu auf Technologien des maschinellen Lernens zurückgreifen und teilweise automatisch die Diskussionsqualität von Online-Diskursen analysieren. Das zu entwickelnde System soll unter Nutzung maschineller Lernverfahren proaktiv bei der Organisation und Moderation verschiedener Online-Formate unterstützen. Dabei kommen auch Gamifizierungsansätze zum Einsatz. Dies soll die Diskussionen für Teilnehmende attraktiver und für Anbieter kostengünstiger sowie einfacher in der Auswertung machen.
Innovationen und Perspektiven
Der Prototyp soll im Rahmen des Verbundprojekts in praktischen Tests erprobt, evaluiert und gezielt erweitert werden. Die technischen Ergebnisse und Prototypen des Projekts werden als freie Software unter einer quelloffenen Lizenz („Open Source“) der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Durch die teilweise Automatisierung ermöglicht es KOSMO, Online-Diskussionen und Online-Partizipationsverfahren breiter durchzuführen. Insbesondere Verwaltungen, politische Institutionen, NGOs, Stiftungen und Medienunternehmen wird so die Durchführung von kostengünstigen und zugleich qualitativ hochwertigen Online-Diskussionen und -Partizipationsverfahren ermöglicht. Zudem wird mit KOSMO der Ansatz verfolgt, künstliche Intelligenz nicht nur am Standort Deutschland weiter zu erforschen, sondern sie in einem gemeinwohlorientierten Sinne und auf transparente Art für die Verbesserung des demokratischen Diskurses im Internet nutzbar zu machen.