Motivation
Die Nutzung von KI für das Gemeinwohl wird in politischen KI-Strategien, Richtlinien und staatlichen Förderungsmaßnahmen als auch in Projekten von wirtschaftlichen Unternehmen immer wieder als zentrales Ziel formuliert. Doch ob und vor allem wie Gemeinwohlorientierung von KI-Anwendungen realisiert werden kann und wie sie überprüfbar wird, ist bislang unklar. Die Forschungsgruppe Public Interest AI entwickelt daher ein operationalisierbares Analyseverfahren, dass letztlich beantwortet, wie sich Public Interest AI (gemeinwohlorientierte KI) definieren lässt und welche Faktoren genau den Beitrag zum Gemeinwohl erhöhen oder verringern. Das Analyseverfahren ermöglicht es die Gemeinwohlorientierung von KI-Anwendungen auf drei Analyseebenen anhand von definierten Kriterien zu beurteilen: Auf Ebene der argumentativen Projektbeschreibung im Gemeinwohlkontext, der technischen Umsetzung der KI oder der Usability und dem Anwendungskontext der KI.
Ziele und Vorgehen
Um die praktische Umsetzbarkeit und Leistungsfähigkeit dieses Konzeptes zu veranschaulichen, werden zwei (technische) Promotionsprojekte jeweils Prototypen einer Public Interest AI entwickeln. Ein erster Prototyp beschäftigt sich mit einer KI-Anwendung für das Projekt Wheelmaps – einer interaktiven Karte die die Barrierefreiheit von Orten kartographiert. Die KI-Anwendung soll die automatisierte Erkennung von Barrierefreiheit ermöglichen. Ein zweiter Prototyp beschäftigt sich auf Basis von Natural Language Processing mit der Übersetzung von deutschen Texten in einfache Sprache. Die sprachliche Komplexität journalistischer Texte oder staatlicher Bekanntmachungen stellt für geringer literarisierte Mitmenschen einen großen Exklusionsfaktor dar, der durch diese Anwendung minimiert werden kann.
Innovationen und Perspektiven
Über die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Projektpartner (bspw. CorrelAid e.V.) werden Praxisfälle herangezogen, die der Forschungsgruppe für die Erprobung des Analyseverfahrens allgemeines sowie auch als Basis für ein drittes Promotionsvorhaben im Feld des Anwendungsdesigns von KI dienen. Mit diesem praxisnahen Forschungsansatz entwickelt das Forschungsteam einen beispielhaften und auf andere KI-Anwendungen übertragbaren Anforderungskatalog zur Beurteilung der Gemeinwohlorientierung. Dieser kann im Ergebnis sowohl als wichtiger Diskursbeitrag zur KI Entwicklung in Europa fungieren sowie auch als praktische Umsetzungsleitlinie für KI-Entwicklung.