Motivation
Aktuell nimmt die Rolle sozialer Medien und automatisierter Algorithmen, die in diesen Medien Inhalte produzieren (sogenannter Bots), auch im Finanzbereich rasant zu. Dass dies einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung von Aktienkursen haben kann, wurde kürzlich durch den Fall GameStop auf der Plattform Reddit eindrucksvoll demonstriert. Bei der Manipulation von Kursen entstehen gerade durch die missbräuchliche Nutzung sozialer Bots große Gefahren für den individuellen und gesellschaftlichen Willens- und Meinungsbildungsprozess, insbesondere im Kontext von Finanzmärkten. Zu einer der größten Herausforderungen für Compliance-Abteilungen von Unternehmen sowie für Regulierungsbehörden gehört es deshalb, Nachrichten mit manipulativen Absichten zu erkennen und einen möglichst umfassenden und genauen Überblick über die Nachrichten- und Faktenlage sicherzustellen. Für ein zielgerichtetes und transparentes Monitoring sozialer Medien sowie forensische Analysen im Kontext des Börsenhandels und des Finanzbereichs fehlen jedoch bisher systematische Ansätze und geeignete moderne Werkzeuge.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Verbundvorhabens „AFFIN“ ist es, ein integriertes Informationssystem auf Grundlage von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) zu realisieren. Dieses System soll das Monitoring und die Bewertung von Einträgen, Kommentaren und weiteren Informationen aus sozialen Medien im Rahmen der Marktbeobachtung und -überwachung unterstützen. Öffentlich verfügbare Informationen werden mithilfe spezieller Algorithmen (sogenanntes Crawling) automatisiert eingesammelt, zusammengeführt und mit modernen KI-Methoden hinsichtlich ihrer digital-forensischen Eigenschaften analysiert. Dabei liegt der Fokus auf leistungsfähigen Untersuchungsmethoden für natürlichsprachliche Texte. Neben der Analyse ihrer Syntax und Semantik, also der Struktur und Bedeutung der Texte, umfasst dies unter anderem eine automatische Klassifizierung von Textinhalten, um die Auswirkungen sozialer Bots signifikant erkennen und einordnen zu können.
Innovationen und Perspektiven
Die Ergebnisse werden in Zusammenarbeit mit der Handelsüberwachungsstelle der Deutschen Börse AG sowie weiteren Anwendern aus dem Compliance-Bereich evaluiert und hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit für den Finanzbereich weiter angepasst. Über ein Dashboard oder eine spezifische Schnittstelle sollen die aufbereiteten Daten und Analyseergebnisse in bestehende Systeme integriert werden können. Durch die breite Anwendbarkeit der Lösung in Unternehmen sowie Organisationen der Finanzmarktaufsicht und Handelsüberwachung ergibt sich ein deutlicher Standortvorteil für Deutschland im internationalen Wettbewerb.