Motivation
Mit dem steigenden Anteil hochtechnologischer industrieller Endprodukte und Dienstleistungen kann eine führende Marktposition nur durch eine erhöhte Softwareintensität erreicht werden. Dieser Trend wird besonders anschaulich bei Fahrzeugen und Produktionsanlagen, wo sich die Systemkomplexität durch die Entwicklung von elektromechanischen Systemen zu hochautomatisierten Cyber-physischen Systemen drastisch erhöht hat. Um auf Marktveränderungen schnell reagieren und Kundenwünsche umfassend erfüllen zu können, müssen diese Softwareintensiven Systeme zügig und kostengünstig als Varianten in Produktlinien erstellt und angepasst werden. Oftmals bestehen diese Systeme aus historisch gewachsener, hochkomplexer, hardwarenaher und plattformspezifischer eingebetteter Software (Legacy Assets). Sie sind geistiges Eigentum der Firmen und können meistens nicht unabhängig von den bei der Entwicklung betrachteten Zielplattformen und Werkzeugen genutzt werden. Ohne umfassende Umarbeitung lässt sich kein Vorteil aus neuen Architekturen und Paradigmen ziehen. Die Herausforderung besteht darin, neuartige Systeme in Produktlinien unter Einbindung und Anpassung von Legacy Assets kostenreduziert zu entwickeln.
Ziele und Vorgehen
Im Forschungsvorhaben REVaMP² sollen dazu Methoden und Werkzeuge des RoundTrip-Engineerings entwickelt werden, um Legacy Assets in modellbasierte Entwicklungsabläufe zu integrieren. Das Round-Trip-Engineering bezeichnet in der Softwareentwicklung den automatischen Abgleich zwischen Entwurf und Umsetzung. Damit können Systembestandteile kostengünstig modernisiert und besser in ein Produktlinien-Engineering integriert werden. Das Ergebnis soll eine Automatisierungswerkzeugkette umfassen, die aus einer innovativen Kombination und Weiterentwicklung existierender Werkzeuge besteht. Integriert werden die Werkzeuge unter Verwendung von etablierten Modellierungssprachen und offenen Integrationstechnologien. Dabei geht es um die Erstellung eines Toolkits und einer Methodik, um für ausgewählte Anwendungsdomänen und Anwendungsfälle jeweils Vorschriften und eine Kombination von Werkzeugen zur Verjüngung der Legacy Assets zur Verfügung zu stellen.
Innovationen und Perspektiven
Die europäischen Kooperationspartner repräsentieren unterschiedliche Branchen und Positionen in der Wertschöpfungskette. Die Schwerpunkte des deutschen Konsortiums liegen in den Bereichen Automotive und Industrieautomatisierung. Mustervorgehensweisen und Demonstratoren für eine große Auswahl an industriellen Anwendungsfällen sollen die Anwendbarkeit der Methodik veranschaulichen und Empfehlungen für zukünftige Anwender geben.