Motivation
Kenntnisse in Fremdsprachen gewinnen in Zeiten der Globalisierung mit einer zunehmenden internationalen Zusammenarbeit und einer höheren Mobilität von Arbeitskräften immer mehr an Bedeutung. Beim Erlernen einer neuen Sprache wird es immer wichtiger, diese möglichst akzentfrei zu sprechen. Dafür muss schrittweise ein neues Bewegungsmuster für wichtige Artikulatoren, wie z.B. für Zunge und Lippen, erlernt und die dafür benötigte Muskulatur an die neue Lautbildung angepasst werden. Voraussetzung dafür ist ein regelmäßiges korrektes Üben, was ein umfassendes Feedback voraussetzt. Die Zusammenarbeit mit einem Sprechtrainer ist jedoch aufwendig und kostenintensiv. Bisher verfügbare computergestützte Systeme zum Aussprachetraining dagegen sind für das Üben einer korrekten Lautbildung nicht geeignet. Entweder ist keine Rückmeldung vorgesehen, oder es wird erst am akustischen Signal angesetzt und damit keinerlei Aufschluss über fehlerhafte und zu verbessernde Bewegungen der Artikulatoren gegeben.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Verbundvorhabens „ADAMA“ ist es, ein neuartiges softwaregestütztes System zum Aussprachetraining zu entwickeln, das erstmalig artikulatorisches Feedback zur Verfügung stellt und selbstständiges Üben innerhalb eines an professionelle Sprechtrainer angelehnten Szenarios ermöglicht. Dazu wird eine Sensorik mittels eines geeigneten Trägers direkt im Mundraum angebracht. Auf Basis von neuen Matchingverfahren für artikulatorische und akustische Messungen werden dem Nutzer die Abweichungen der Bewegungen seiner Artikulatoren in einer 3D-Darstellung demonstriert und erläutert. Anschließend erhält er über einen virtuellen Trainer gezielte und konkrete Verbesserungsvorschläge. Neben Algorithmen für das akustisch-artikulatorische Matching und Verfahren zur Echtzeitdarstellung von Sprechbewegungen in verschiedenen 3D-Ansichten werden auch eine neue Feedback- und Lehrkonzeption sowie eine grafische Benutzeroberfläche entwickelt. Innerhalb des zu entwerfenden Trainingskonzepts wird analysiert, welche Phrasen bzw. Laute häufig zu Aussprachefehlern führen. Für das eigentliche Training mit dem System werden dann einzelne Lerneinheiten und Feedbackmechanismen entwickelt.
Innovationen und Perspektiven
Die Praxistauglichkeit des neuartigen Systems und die Robustheit seiner Ergebnisse zum Aussprachetraining sollen in Nutzertests nachgewiesen werden, wobei die Wirksamkeit der Akzentverringerung zunächst für die deutsche Sprache demonstriert werden soll. Die angestrebte Lösung bedeutet für Unternehmen und Organisationen am Standort Deutschland bessere Bedingungen, nicht-muttersprachliche Beschäftigte zu gewinnen und an sich zu binden. Darüber hinaus werden auch die schrittweise Internationalisierung beginnend mit Englisch sowie der Transfer der Ergebnisse in den medizinisch-logopädischen Bereich angestrebt.