Motivation
Unternehmen unterschiedlichster Domänen, z.B. Banken, Versicherungen und Online-Shops, sind auf softwarebasierte Anwendungssysteme angewiesen. Typische Beispiele sind interne Systeme zur Personal- und Ressourcenplanung sowie leicht zugängliche Systeme wie Online-Portale, über die Kunden direkt mit dem Unternehmen oder dessen Produkten interagieren. Die Laufzeitqualität von Anwendungssystemen, z.B. bezüglich Leistungsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Widerstandsfähigkeit (Resilienz), hat einen direkten Einfluss auf den geschäftlichen Erfolg. So haben bereits kurze Ausfälle oder lange Ladezeiten wirtschaftliche Schäden durch entgangene Umsätze oder Schadenersatzansprüche zur Folge. Infolgedessen ist es wichtig, die Laufzeitqualität durch Software-Analysemaßnahmen kontinuierlich zu überwachen, zu bewerten und ggf. zu verbessern. Im Laufe der letzten Jahre haben sich entsprechende Analysemaßnahmen wie Lasttests oder Monitoring etabliert, und ausgereifte kommerzielle und quelloffene Werkzeuge wurden entwickelt. Allerdings sind diese Maßnahmen allesamt auf technischer Ebene angesiedelt und werden nicht auf fachlicher Domänenebene interpretiert. Zum Beispiel werden Ladezeiten technischer Software-Komponenten getestet und überwacht, aber der Einfluss auf fachliche Abläufe wie Käufe der Kunden im Online-Shop bleibt unklar. Gleichzeitig werden bei Softwarearchitektur- und Softwareentwicklungsansätzen wie Domain-Driven Design (DDD), die zunehmend Verbreitung finden und bei denen genau diese fachlichen Abläufe im Vordergrund stehen, Belange der Laufzeitqualität trotz ihrer Kritikalität im Wesentlichen nicht betrachtet.
Ziele und Vorgehen
Das Forschungsvorhaben dqualizer hat das Ziel, diese Kluft zwischen der Fachlichkeit der Anwendungssysteme und den (technischen) Maßnahmen und Erkenntnissen der Qualitätssicherung durch einen domänenzentrierten Ansatz zu schließen. Hierzu sollen Möglichkeiten zur Modellierung und Überwachung von Belangen der Laufzeitqualität in DDD-basierte Techniken integriert werden. Aus fachlicher Perspektive lassen sich durch dqualizer automatisiert aussagekräftige Last- und Resilienztests erzeugen und interpretieren sowie die Verbindungen zum technischen Monitoring herstellen. Die entwickelten innovativen Konzepte sollen in einem Open-Source-Werkzeug umgesetzt und an existierende Werkzeuge angebunden werden.
Innovationen und Perspektiven
Die praktische Anwendbarkeit des dqualizer-Ansatzes wird in realen Fallstudien in den komplexen fachlichen Domänen Versicherungen und Lohn-/Steuerabrechnung sowie den entsprechenden technischen Umgebungen evaluiert. Die Fallstudien werden von den beiden assoziierten Anwendungspartnern, DATEV eG und VHV Solutions GmbH, bereitgestellt. Im Ergebnis können die Fachbereiche und das Management in das Qualitätsmanagement einer Unternehmenssoftware während des gesamten Lebenszyklus eingebunden werden – von der Anforderungserhebung bis zu Betrieb und Wartung der laufenden Software. Dies bedeutet ein höheres Maß an Softwarequalität hinsichtlich nicht funktionaler Eigenschaften, was sich insbesondere für geschäftskritische Anwendungen am Standort Deutschland auszahlt.