Motivation
Unternehmen stehen aufgrund von Marktanforderungen regelmäßig vor der Herausforderung, Geschäftsprozesse und die dazugehörigen Softwaresysteme anzupassen und zu optimieren. Zugleich sind diese Prozesse in der Praxis oft ungenügend dokumentiert. Wichtige Fragestellungen sind daher, wie jeweils der tatsächlich in Software umgesetzte Prozess aussieht (Process Discovery) und wie stark dieser vom definierten Soll-Prozess abweicht (Conformance Checking). Im Bereich der betrieblichen Informationssysteme bieten große Standardlösungen hierzu Analysefunktionen, die z.B. für einen Beschaffungsprozess alle notwendigen Informationen aus der Applikation extrahieren. Daneben werden aber in vielen Unternehmen die Geschäftsabläufe in Softwaresystemen abgebildet, die über Jahre gewachsen sind und ein komplexes Netz individueller Applikationen sowie spezieller Branchenlösungen umfassen. Die Prozessanalyse für solche Anwendungen gestaltet sich bislang sehr aufwändig. Auch datengetriebene Ansätze, die den Stand der aktuellen Forschung prägen, werden für bestehende Softwareinfrastrukturen hinsichtlich der sehr zeit- und kostenintensiven Analyse- und Lernphasen bisher nur unzureichend umgesetzt.
Ziele und Vorgehen
Im Vorhaben „SoftProc“ wird demgegenüber ein alternativer Ansatz verfolgt. Ziel ist ein Verfahren, das die Aktivitäten im Produktivsystem während der Abarbeitung eines Prozesses beobachtet und diese Informationen detailliert protokolliert. Zur Online-Prozessanalyse werden parallel die softwareseitigen Abläufe aus der laufenden Applikation heraus ermittelt, wobei die Verwendung von Anwendungen über unterschiedliche Anwender, Standorte oder Uhrzeiten dokumentiert wird.
Innovationen und Perspektiven
Prozessinformationen werden so automatisiert aus bestehenden Softwareinfrastrukturen generiert, wobei der Datenschutz des Nutzers durch technische und organisatorische Maßnahmen gewährleistet wird. Zur Umsetzung dieses Vorhabens kooperieren die PITSS GmbH und das Institut für Datenbanken und Informationssysteme (DBIS) der Universität Ulm. Für den Schritt der prototypischen Evaluierung wird die sensis GmbH das Projekt mit praxisnahen Testszenarien unterstützen. Die angestrebte Lösung verspricht einen erheblichen Mehrwert in der Güte und Geschwindigkeit von Prozessanalysen in bestehenden Softwareanwendungen. Gegenüber der Erfassung von Transaktions- oder Log-Daten wird die Dokumentation von Prozessen auf ein neues Fundament gehoben. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine Vielzahl von Prozessverbesserungen und besitzen Potenzial für komplexe Anwendungsfälle, etwa bei der prozessorientierten Aufwandsabschätzung von Software-Modernisierungsvorhaben.