Motivation
In der historischen und auch der gegenwärtigen Architektur Deutschlands ist ein großer Teil der Fassaden aus Natur- oder Kunststein erstellt. In Abhängigkeit von der Gesteinsart, den Eigenschaften des verwendeten Gesteins und den Schäden können Sanierungstechniken stark variieren. Demzufolge ist das Wissen über die spezifischen Eigenschaftsdaten des geschädigten Steins substanziell für eine zuverlässige Sanierungsplanung. Erschwerend kommt hinzu, dass einzelne Bauelemente vor Bau- bzw. Sanierungsbeginn nicht begehbar sind. Hierdurch entsteht eine zusätzliche Unsicherheit, die zu starken Preisschwankungen in Angeboten führen kann.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, ein hochautomatisches Informationssystem zu entwickeln, das mit unterschiedlichen Verfahren erfasste Steinschäden virtuell in einem Schadensmodell zusammenführt. Mit diesem System lassen sich Steinschäden materialspezifisch und detailliert darstellen und beurteilen. Hierdurch ist es möglich, eine qualitativ hochwertige, kostengünstige, kalkulierbare sowie einheitliche Sanierungsstrategie zu entwickeln.
Innovationen und Perspektiven
Das Projekt folgt dabei der BIM-Methode (Building Information Modeling, deutsch: Bauwerksdatenmodellierung): Es werden konkret die Informations- und Datenbestände der beteiligten handwerklichen und bautechnischen Arbeiten erfasst, digitalisiert und in ein interoperables Format gebracht. Durch die Bereitstellung der Daten in diesem neuen Format können die Informationen vollständig bearbeitet werden und Sanierungskonzepte in Modellvarianten realisiert und visualisiert werden. Die digitale und interoperable Form erlaubt darüber hinaus die Einbindung und Visualisierung in Augmented- und Virtual-Reality. Komplettiert wird das System durch ein dreistufiges, wissensbasiertes Schadensidentifikationssystem. Dieses erlaubt eine Abschätzung der anstehenden Sanierungsarbeiten auf Basis umfangreichen Wissens über Schäden. Zudem können nachträglich erkannte Schäden auf einfache Weise eingepflegt sowie Sanierungs-, Kosten- und Risikomodelle kontinuierlich gepflegt und mitgeführt werden. Das BIM-SIS-System informiert objektiv und nachvollziehbar über den Sanierungsstand und die Konsequenzen von nachträglich entdeckten Schäden und unterstützt somit die Bauherrin oder den Bauherrn dabei, Nachtragsentscheidungen objektiv zu treffen.