Motivation
Einerseits steigen mit der Digitalisierung und Globalisierung die Flexibilitätsanforderungen an Unternehmen. Andererseits nehmen mit dem demografischen Wandel Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit und Ausfälle wegen chronischer und psychischer Erkrankungen zu. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und der Erwerbsteilhabe von Beschäftigten ist für Unternehmen sowie für die Volkswirtschaft von höchster gesellschaftlicher Relevanz. Heute jedoch verfügen Unternehmen nur über rückblickende Daten aus Mitarbeiterumfragen, wenn überhaupt, sowie über stark nachlaufende Indikatoren wie Arbeitsunfähigkeitsmeldungen, etwa aus den Berichten der Krankenkassen – vergleichbar mit der Wetterstatistik aus dem Vorjahr. Um zukünftig valide Prognosen zu erhalten, fehlen Systeme, die wie bei einer Wetterprognose die zukünftige Entwicklung der Arbeitsfähigkeit und der gesundheitsbezogenen Risiken vorhersagen und über Kennziffern und Szenarien die Wirkung von Maßnahmen modellieren können.
Ziele und Vorgehen
Ziel der gemeinsamen Entwicklung ist ein System, das dynamische Berichte und Prognosen interaktiv für Beschäftigte und Unternehmen anbietet – zu vergleichbaren Kosten wie heutige Mitarbeiterumfragen. Aufbauend auf langjährige Vorarbeiten soll ein skalierbares System entwickelt werden, das sowohl die Früherkennung individueller Risiken als auch die Maßnahmenableitung für Unternehmen ermöglicht – unter Berücksichtigung des Datenschutzes und unter Einbeziehung der Beschäftigten. In dem Vorhaben arbeiten drei KMU und eine wissenschaftliche Institution der Universität Heidelberg in ihrem jeweiligen Expertise-Bereich zusammen. Gegenstand des Vorhabens ist die Entwicklung eines neuen, künstliche Intelligenz einbeziehenden Verfahrens zur Früherkennung und Prävention von gesundheitsbedingten Risiken bis zur Anwendungsreife. Die darauf aufbauende innovative Unternehmenssoftware soll über einen aktuellen Ist-Bericht hinaus auch eine Prognose über die Entwicklung von Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Belegschaft für die nächsten sechs Monate ermöglichen. Von der neuen Technologie profitieren sowohl die Mitarbeiter als auch die Unternehmen.
Innovationen und Perspektiven
Der Fokus liegt auf arbeitsbedingten Schutz- und Belastungsfaktoren für die Arbeitsfähigkeit, der gesundheitsbezogenen Produktivität und der psychischen Gesundheit. Ferner sollen gesundheitliche Risiken, insbesondere mit Schmerzen verbundene Muskel-Skelett-Erkrankungen, abgebildet werden, die durch Intervention günstig beeinflussbar sind. Im Gegensatz zu Lösungen, die auf der klassischen regelmäßigen Umfrage mit zeitlich nachgestellter Berichterstattung basieren, wird bei KIPROSPER eine Prognose und eine Simulation von Interventionen möglich. Dies ermöglicht die Planung und datenbasierte Entscheidung über Maßnahmen gegen gesundheitliche Risiken.