Motivation
Landwirtschaftliche Betriebe werden heute nicht mehr ausschließlich innerhalb der Familie weitergegeben, sondern oftmals verpachtet oder verkauft. Historisierte Informationen über die genaue Beschaffenheit einer Ackerfläche können somit verlorengehen. Mit dem Aufbau übergreifender Informationsspeicher wird es im Fall von Übergängen landwirtschaftlicher Betriebe und Flächen in Zukunft möglich sein, das gesammelte Wissen über die spezifischen geografischen Rahmenbedingungen einer Fläche weiterzugeben und damit den Betrieb intelligent zu unterstützen.
Ziele und Vorgehen
Ziel von CARPE MEMORIAM ist die Entwicklung und prototypische Umsetzung einer webbasierten Flächengedächtnis-Plattform, in der alle Informationen bereitgestellt werden, die detaillierten Aufschluss über Beschaffenheit und Besonderheiten einer landwirtschaftlich genutzten Fläche geben. Zu diesen Details zählen neben allgemeinen Ortsinformationen (Befahrbarkeit, Zugänglichkeit, verbaute Infrastrukturen) auch Handlungsempfehlungen, die als Erfahrungsschatz über Generationen hinweg überliefert wurden. In der Plattform werden hochauflösende Satellitendaten, Drohnenaufklärungsdaten, in-situ-Sensordaten sowie weitere betriebsinterne und -externe Daten historischer Art als auch aus laufenden Prozessen über offene Schnittstellen zu einem hochgenauen Lagebild fusioniert und durch den Einsatz von KI- und Big-Data-Algorithmen kontinuierlich analysiert.
Innovationen und Perspektiven
Da in kleinen und mittleren Betrieben meist aus Kostengründen auf den Einsatz von in-situ- und Fernerkundungssensorik verzichtet wird, sollen in CARPE MEMORIAM preisgünstige Lösungen durch die Verwendung kommerziell verfügbarer Hardware-Komponenten in Kombination mit innovativer Software entwickelt werden, die ein verbessertes Flächengedächtnis auch für diese Betriebsgrößen erschließen. Die entwickelte Lösung sichert durch offene Schnittstellen die Interoperabilität mit Farm-Management-Systemen und ermöglicht ein optimiertes Anbaumanagement. Je nach örtlichen Begebenheiten kann z.B. bevorzugt jeweils dort gedüngt, gespritzt und geerntet werden, wo es aufgrund aktueller und historischer Daten ertrags-, qualitäts- und prozessorientiert am sinnvollsten ist.