Motivation
Reklamationen fertiger Produkte stellen für produzierende Unternehmen eine große Herausforderung dar. Einerseits sind sie ein großer Kostenfaktor, andererseits schaden Mängel in der Produktqualität langfristig der Kundenbindung und dem Ruf des Unternehmens. Insbesondere bei Herstellern von Medizintechnik können fehlerhafte Produkte fatale Auswirkungen haben. Umso wichtiger ist es, alle verfügbaren Daten aus dem Produktionsprozess zu nutzen, um die Produktqualität zu überwachen. Im Zuge von Industrie 4.0 nimmt der Umfang an erfassten und gespeicherten prozess- und produktionsrelevanten Daten immer weiter zu und liefert damit in Zukunft eine detaillierte Historie zu Produkt und Produktionsprozess.
Ziele und Vorgehen
Das Vorhaben „Reklamation 4.0“ hat das Ziel, diese Daten zu nutzen, um mithilfe automatisierter Verfahren die Reklamationsraten zu senken und die Produktqualität zu verbessern. Hierfür sollen Verfahren aus dem Maschinellen Lernen und der Prozessanalyse zur Anwendung kommen. Dadurch wird einerseits eine verbesserte Abwicklung von Reklamationen durch eine automatisierte Identifikation möglicher Ursachen und Probleme realisiert, andererseits der Produktionsprozess in Echtzeit überwacht, um potenzielle Reklamationsgründe proaktiv zu vermeiden. Im Vorhaben sollen die für das Reklamationsmanagement relevanten Daten und deren Zusammenhänge ermittelt sowie Methoden für deren kontextsensitive Aufbereitung entwickelt werden. Darauf aufbauend sollen mithilfe von Techniken des Maschinellen Lernens Vorhersagemodelle für die Reklamationsbeurteilung und -verhinderung generiert werden.
Innovationen und Perspektiven
Aufgabe der Anwendungspartner im Vorhaben ist es, die Anforderungen zu definieren, die Daten zur Verfügung zu stellen sowie die erarbeiteten Ergebnisse prototypisch einzusetzen und zu evaluieren. Das Analysesystem wird zunächst für Unternehmen der Medizintechnik entwickelt. Es umfasst eine Integrationskomponente zur Sammlung, Aufbereitung und Bereitstellung aller erhobenen Produktionsdaten, eine Darstellungskomponente zur rollen- und kontextbasierten Unterstützung des Reklamationsprozesses sowie eine kontinuierliche Überwachung laufender Prozesse. Die Projektergebnisse sollen nach Projektende in die Produktionsprozesse der Verbundpartner integriert oder zur Erweiterung des spezifischen Dienstleistungs- und Produktportfolios genutzt werden.