Motivation
Abwasserreinigungsanlagen werden von Experten im Rahmen der allgemein anerkannten Regeln der Technik üblicherweise auf Basis ihrer Berufserfahrung geplant. Damit hängen Qualität und Optimierungsgrad einer Kläranlage weitgehend davon ab, ob das jeweilige Ingenieurteam durch einzelne Know-how-Träger genügend Erfahrung besitzt. In Anbetracht heutiger Möglichkeiten moderner IT und der damit einhergehenden Optimierungspotenziale konsequenter Modellierung sind diese Planungs- und Betriebsprozesse im Bereich Abwasserreinigung höchst ineffizient.
Ziele und Vorgehen
Ziel des Projekts ILMA ist die Entwicklung einer modernen IT-Infrastruktur zur kollaborativen, konsistenten und ganzheitlichen Planung, zum Bau und Betrieb abwassertechnischer Anlagen. Bestehende Planungswerkzeuge verwenden für spezifische Teilaufgaben jeweils unterschiedliche Teilaspekte der erforderlichen Planungsgrößen und verursachen dadurch Brüche im Planungsprozess. Durch die durchgängige Verknüpfung der vorhandenen Modelle und Daten soll deren konsistente Verwendung im gesamten Planungsprozess ermöglicht werden. Zusätzlich werden dabei moderne Optimierungsverfahren der Prozesssimulation direkt an den Planungsprozess angekoppelt. Die Modellierung soll grundsätzlich auf Grundlage offener, international standardisierter Formate erfolgen. Um bei der Definition der Anforderungen alle praxisrelevanten Anwendungsszenarien und spezifischen Arbeitsabläufe zu berücksichtigen, sind zwei große Kläranlagenbetreiber sowie drei Ingenieurbüros als assoziierte Partner am Projekt beteiligt. Im Projekt werden erste ausgewählte Smart Services und Smart-Service-Demonstratoren entwickelt, die auf Basis der zu entwickelnden Software-Plattform grundlegende Funktionalitäten zur Planung und Optimierung von Kläranlagen ermöglichen.
Innovationen und Perspektiven
Mit der zunehmenden Befreiung von Routinearbeiten können sich die planenden Ingenieure auf die Bewertung und Beurteilung der aufbereiteten Informationen konzentrieren. Die Anbindung computergestützter Optimierung an alle Planungsphasen in ILMA verspricht Effizienzsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich zugunsten der Kläranlagenbetreiber und damit im kommunalen Bereich auch zugunsten der Gebührenzahler. Das Konzept der offenen Architektur von ILMA ermöglicht zusätzlich, auf dem Softwaremarkt etablierte Drittsysteme für Planungsaufgaben direkt an die Smart-Service-Plattform anzubinden. Die Ergebnisse des Projekts werden auf internationalen Messen und Konferenzen präsentiert. Erste Testkunden werden aus den assoziierten Projektpartnern sowie weiteren interessierten Akteuren des deutschen Marktes akquiriert.